Dienstag, 18. August 2026

Anarchisch gegen KI-Webscraping!

 Es ist eine anarchische wie auch geniale Idee:

Um sich gegen die oft nicht gewünschte - in jedem Fall aber nicht vergütete - Webseiten-Nutzung durch KI-Training zu wehren, haben sich zwei Designer etwas besonderes einfallen lassen:

KI-Crawler nutzen ja oft sämtliche verfügbaren Webseiten zu allen möglichen Themen im Netz, um ihre Sprachmodelle zu trainieren. Oft ist dies von den Webseitenbetreibern aber gar nicht gewünscht, weil so ihr eigenes know-how in die KI gerät, ohne das sie selbst einen Nutzen davon haben. 

Die Crawler scannen die Seiten dabei häufig auf Quelltextebene, so daß sie sich auch nicht für das konkrete Design oder den Aufbau der Seiten interessieren. 

Hier setzt die "KI Fake-Schrift" der Designer an:

Sie haben einen Webfont entwickelt, der in der Anzeige einfach etwas anderes anzeigt, als im Quelltext geschrieben steht. Nun könnte man ja einfach sprichwörtlich der KI ein "X für ein U machen", was dann aber zu Buchstaben-Garbage auf Quelltextebene führt. Statt "Der Zinsanspruch ist verjährt" würde dann auf Quelltextebene z.B. "Frt Uomdsmütivj odz brkstz" stehen; etwas, was die KI sehr schnell als "Text ohne Inhalt" identifizieren und ignorieren würde. Die Designer haben sich daher etwas Besseres überlegt: 

Shieldfont - so heißt die neue Schriftart - arbeitet mit Ligaturen. Sie tauscht einfach ganze Wörter gegen eine zufällige Alternative aus. Anstatt "Der Bundeskanzler verteidigte die Rentenreform vor der versammelten Presse" könnte nun z.B. im Quelltext "Die Ringeltaube reparierte die Marzipankartoffel neben dem einfältigen Hochhaus" stehen. Der Font ersetzt Wortarten korrekt, so daß der Satz grammatikalisch korrekt bleibt, der Sinn allerdings völlig zerstört wird. In der HTML-Anzeige erscheint dann trotzdem der Satz über die Rentenreform. Zudem ersetzt der Font auch nicht jedes Wort, sondern nur etwa jedes zweite; es werden sog. "Content Words" identifiziert. Das führt zu einem noch besseren, weil glaubwürdigerem, Ergebnis. 

Die Lernergebnisse der KI werden somit "vergiftet"; KI-Nutzer müssen sich möglicherweise andere Wege überlegen, um an sinnvollen Input zu gelanden. 

Einziger Nachteil: Nicht nur KI-Crawler, sondern auch Tools für behinderte Menschen (Braille-Leser für Sehbehinderte...) werden von dem System oft auf dem Leim geführt; "Barrierefrei" sind diese Webseiten dann also nicht mehr. Dies wird auch der Google-Auffindbarkeit der Seite eher schaden - es sei denn, man möchte in Ergebnissen zu Ringeltauben und Marzipankartoffeln gefunden werden, um bei dem obigen Beispiel zu bleiben. 


Links:

Projekt ShieldFont

Artikel bei Golem News 


Dienstag, 3. März 2026

Die Bomben fallen, die Betrüger sind schon da!

 Keine 48 Stunden ist es her, daß in einer Welle von Luftangriffen Führungspersonen des Iran getötet wurden und dieser mit Drohnen und ballistischen Raketen Vergeltung geübt hat. 

In der Folge wurden tausende zivile Flüge aus der Golfregion annulliert, Menschen mußten unfreiwillig ihren Urlaub verlängern oder saßen in Regionen fest, die die Golfstaaten als Zwischenlandeziel verwenden. 

Vor diesem Hintergrund versuchten viele Menschen, die dringende Termine oder auch einfach Angst hatten, in der Region zu bleiben, Flüge umzuorganisieren oder auf dem Landweg zu Flughäfen zu gelangen, die noch nicht gesperrt waren. 

So hatte eine 23-jährige Reisende aus Bayern, deren Flug wegen des Irankriegs storniert worden war versucht, über ein vermeintliches Serviceportal der Fluggesellschaft eine Umbuchung des Fluges zu erreichen. Sie war jedoch über betrügerische Suchmaschineneinträge zu einer Fake-Hotline des Kundenservices geleitet worden. Dort wollte man ihr angeblich weiterhelfen, indem man per Fernzugriff-Verbindung auf das Handy die Buchung "korrigieren" wollte und entsprechend auch das Geld für die korrigierte Buchung transferrieren wollte. Auf diesem Wege wurden insgesamt € 2.500,- an Unbekannte von ihrem Konto überwiesen. 

Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt.

Dieser Vorfall zeigt wieder einmal, daß online-Betrugsmaschen in der Regel über dasselbe "social engineering"-Schema ablaufen und dabei lediglich aktuelle Nachrichten als Aufhänger für die Glaubwürdigkeit nutzen. Offensichtlich so erfolgreich, daß bereits wenige Stunden nach einem solchen weltpolitischen Vorfall entsprechende Suchbegriffe in den großen Suchmaschinen hinterlegt sind. 


Quelle: Stern Nachrichten

Freitag, 5. Dezember 2025

Linus und Linus

 Na endlich! Linus S. und Linus T. machen ein Video zusammen. Der eine, Linus Torvalds, ist Software-Koryphäe und Erfinder von Linux und Git; hat damit indirekt Android, Github, SteamOS und viele andere Dinge ermöglicht. Der andere, Linus Sebastian, ist einer der berühmtesten Tech-youtuber, verfügt mit über 16,5 Mio. Abonennten über eine enorme Reichweite und baut gern Computer. 

In der aktuellen Folge von LTT (Linus' TechTips) baut Linus S. einen neuen Rechner für Linus T. - und plaudert ein wenig über die Tech-Welt. 



Dienstag, 2. Dezember 2025

Wird ausgerechnet Thunderbird Mail den Exchange-Server retten?

Benutzen Sie schon „Das neue Outlook“? Heise News und mittlerweile auch andere weisen zurecht darauf hin, dass das „neue Outlook“ eigentlich gar keins ist – also nicht in dem Sinne, dass es sich um eine normale Mail-Client-Anwendung handelt, die lokal auf Ihrem Rechner läuft. 

Vielmehr verhält sich das „neue Outlook“ wie eine Mobilsoftware und nutzt die Webdienste auf Microsofts eigenen Servern. Datenschutz- und datensicherheitsmäßig ist das eine ziemliche Katastrophe: 

Ihre Anmeldedaten, Passwörter und auch Ihre neuen eMails landen so in der Cloudinfrastruktur von Microsoft USA, wo sie u.a. mit KI-Funktionen verarbeitbar sind. 

Vor diesem Zustand haben bereits das BSI sowie diverse Datenschützer gewarnt; inzwischen ist die Erkenntnis jedoch auch zu einigen populären youtubern durchgedrungen, so dass sie einer größeren Bevölkerung bekannt geworden ist. 

Vor allem kleinere Mittelständler dürften damit ein Problem haben, da ein ungenehmigter Drittlandstransfer datenschutzrechtlich unzulässig ist; gerne jedoch die vorhandenen Exchange-Server mit einem modernen, integrierten Mail-Client genutzt werden wollen. 

Da kommt für viele die Ankündigung des  OpenSoftware-Projektes „Mozilla“ überraschend, dass ab dem nächsten Update die freie Mail-Software „Thunderbird“ Exchange-kompatibel sein soll. Zwar gilt dies in der ersten Stufe nur für die eMails selbst; doch bereits in der ersten Jahreshälfte 2026 sollen Kalender, Kontakte und weitere Kollaboration-Features folgen. 

Bevor also der alte Exchange-Server abgeschrieben wird, sollte erst einmal geprüft werden, ob dieser nicht zukünftig mit der Thunderbird-Suite einfach weiterbetrieben werden kann. 


Quellen:

Heise News

Mozilla Thunderbird 

Dienstag, 28. Oktober 2025

40.000 SIM-Karten beschlagnahmt - Polizei stürmt das "SIMcartel"

 Das war ja spannender, als ich es von der ersten Meldung her vermutet hatte: 




Sonntag, 27. Juli 2025

Wie KI uns verblödet oder - das Ende des Internets, wie wir es kennen

 Was ist eigentlich das Problem mit künstlicher Intelligenz? Bei meinen Bekannten ist das so: Während bei einigen Leute KI im Alltag noch gar nicht vorkommt, haben andere bereits ihre online-Gewohnheiten völlig auf KI umgstellt. Keine Suchbegriff, eine Checkliste, keine Bildersuche, die nicht mit ChatGPT, DeepSeek oder Gemini überprüft, "verbessert" oder durchgeführt würde. Auch die Suchmaschinen machen es vor: In der kurzen "KI-Zusammenfassung" steht oft schon alles, was der Nutzer wissen wollte - allerdings frei von Quellen, Kontext und des öfteren auch frei von jeder Richtigkeit. 

KI ist keine Suchmaschine, sondern eine Software zu Mustererkennung, die aus statistischer Häufigkeit eine Antwort lernt. Anders gesagt: KI schaut nicht "jetzt" ins Internet, in dem Moment, in dem ich die Frage stelle, sondern schaut in sein neuronales Netz, was es beim letztes Learning aus den dann vorhandenen Internetinhalten "gelernt" hat. KI-Aussagen haben daher keine Vermutung der Richtigkeit, sondern eine Vermutung der Häufigkeit für sich: Was die KI für "richtig" hält, stand halt besonders häufig im Netz. 

Zu dieser Problematik habe ich zwei lesens- und hörenswerte Beiträge gefunden, die das Ganze noch einmal schön zusammenfassen:

Zum einen den Kommentar "Das Ende des Internets, wie wir es kennen" auf Heise News. 

Zum anderen das youtube-Video "KI verblödet Amerika. Europa folgt." von Bill Sen (LebenUSA), einem gebürtigen Kölner, der normalerweise über sein Leben in den USA berichtet. 


Was sollte man nun tun, keine KI verwenden? Das halte ich für baren Unsinn. Aber laßt uns doch bitte KI als das verwenden, was es ist, und nicht als etwas, was es nicht ist: Eine Suchmaschine. Wenn ich einen Nagel in die Wand hauen möchte, nehme ich dafür ja auch keinen Schraubendreher. Ich verwende KI auch ständig im Alltag. Allerdings weder als Bildersuche, noch als Suchmaschine. Sondern als Assistent für langweilige Aufgaben! 😃

Donnerstag, 17. April 2025

20 Jahre Hommingberger Gepardenforelle - Ein neuer Wettbewerb!

Vor 20 Jahren rief das c't Fachmagazin bzw. der Heise Zeitschriftenverlag einen Wettbewerb aus: Um den bis dahin weitgehend unbekannten Google-Rankingalgorithmus besser zu verstehen - also die Kriterien, unter denen Suchresultate für ein und denselben Suchbegriff weiter vorne oder weiter hinten in der Ergebnisliste auftauchten - sollten Programmierer, Künstler, Webdesigner und alle Interessierten das Internet mit Informationen zu einem neuen, bis dato unbekannten Suchbegriff fluten und wer es schaffte, am 15.12.2005 um Punkt 11:00 Uhr vormittags auf Platz eins der Suchergebnisliste zu stehen, hatte den Wettbewerb gewonnen. Am 15.04.2005 um 11:00h wurde der Begriff bekanntgegeben: "Hommingberger Gepardenforelle". Dieser Begriff wurde gewählt, weil es weder einen Ort "Hommingberg", noch eine Unterart der Forelle mit dem Namen "Gepardenforelle" gibt. Somit lieferte der Begriff zu Beginn des Wettbewerbs "0" Resultate. Heute übrigens - 20 Jahre nach Ende des Wettbewerbs - immerhin noch einige tausend, während es Ende 2005 zur "Hochzeit" des Wettbewerbs immerhin 3.820.000 Ergebnisse waren. Zuchtanleitungen, Abbildungen, Kochrezepte, wissenschaftliche Artikel - die Leute haben wirklich alles hergestellt, was man sich vorstellen kann. Vieles davon findet sich noch heute im Netz und dient unter anderem prima dazu, die Fähigkeit von LLMs zu testen, Realität von Fiktion zu unterscheiden. Anfangs päsentierte nämlich z.B. der MS-Copilot völlig ernstgemeinte Kochrezepte bei einer Frage nach diesem Fisch.

Zur Feier dieses denkwürdigen Jubiläums hat Heise Online einen neuen Wettbewerb ausgerufen: 

Wir müssen diesem fiktiven Fisch nun mit den Mitteln der KI Leben einhauchen! Stable Diffusion, Dall-E, Firefly - ganz egal, welche KI, es soll das ultimative Bild der Hommingberger Gepardenforelle erzeugt werden. Es gibt keine Vorgaben, ob Zeichnung, Fotorealismus oder Comic... wer bis zum Ablauf des 23.04.2025 - 00:00h! - ein Bild auf der c't Fotogalerie hochlädt, kann am Wettbewerb teilnehmen. 


Hier folgt übrigens mein Versuch im Comic-Stil: 

Eine springende Hommingberger Gepardenforelle freut sich des Lebens in der Hommingberger Mühlbachschraue. Am Himmel sieht man den seltenen Hommingberger Gurkenschnabel, der bei Gepardenforellengerichten gern als Gemüsebeilage gereicht wird. 


Quelle:

Heise News

Freitag, 4. April 2025

Deepfaking my cat!

Nach zwei Tagen interessanter Vorträge auf dem 12. IT-Rechtstag in Berlin haben wir unter anderem - erwartungsgemäß - viel zum Thema KI und Deepfakes gehört. Sowie zu den Implikationen die dies z.B. für die Beweisführung im Prozess hat, etwa durch angebliche Fotos oder Videoschnipsel. Die Zeiten, in denen man KI-Bildschöpfungen auch als Laie ohne weiteres erkennen konnte, sind vorbei. Hände mit sechs Fingern, Augen ohne Wimpern, seltsame Proportionen - das sind Anfangsfehler der Vergangenheit. Aber wie weit sind wir wirklich? ChatGPT soll sich mittlerweile mit seinem Bildschöpfungs-Teil bis nahe an Midway herangemacht haben und ist in den letzten Tagen durch den sog. "Ghibli-Filter" (also Transformationen im Stile des bekannten japanischen Studios) in aller Munde und auf vielen SocMedia-Profilen präsent. 

Zeit für einen Test! Wer käme dafür besser infrage als meine freundliche, optisch ausdrucksstarke Katze? 

Aber welches ist nun die echte Katze?


Auflösung:

Zuerst habe ich ChatGPT gebeten, eine schwarz-weiße Katze zu erzeugen, die direkt in die Kamera schaut. Bild 1 ist also eine "Fake-Katze". Bild 2 dagegen ist tatsächlich meine Katze, wie sie gedankenversunken auf unserem Gartentisch sitzt. Dann habe ich ChatGPT das Gesicht der Katze auf die "Fake-Katze" aus Schritt 1 übertragen lassen. Das Resultat ist Bild 3. Dies ist also die "Deepfake-Katze"! Man kann es bei aufmerksamer Betrachtung an der falschen Kinn-Farbe erkennen.  

Und nur, um dem Trend gerecht zu werden: Bild 4 ist die Deepfake-Katze, einmal durch den Ghibli-Filter geschickt. 


Und wenn Sie nun sagen, das ist doch alles Blödsinn - dann schauen Sie sich erst mal meine fake US-Kleinstadt-Strassenszene an, auf der ich auch einen Unfall stattfinden lassen könnte, der sich in Wahrheit nie ereignet hat. 




Freitag, 22. November 2024

Fachkräftemangel jetzt auch bei Kriminellen...

 In Köln-Mühlheim hat es letzte Nacht ein beeindruckendes - und lautes! - Testat für den allgegenwärtigen Fachkräftemangel in Deutschland gegeben: 

Kriminelle haben in der dortigen Postbank-Filiale versehentlich nicht den Geldautomaten, sondern nur den Kontoauszugsdrucker in die Luft gesprengt. So mußten sie ohne Bargeld wieder abziehen und ließen sich dabei zudem auch noch so unglücklich von der Überwachungskamera abfilmen, daß sie kurze Zeit später von der Polizei gefasst werden konnten. 

Wie sagt mein Kollege immer: "Einmal mit Profis arbeiten!..." 

Quelle:

Stern Nachrichten 

Freitag, 15. November 2024

Mit den Waffen der KI


Telefonbetrug hat in letzter Zeit erheblich zugenommen. Dies kann ich sowohl aus eigener Erfahrung, aber auch aus entsprechenden Fallzahlen Geschädigter berichten. 

Insbesondere haben Betrüger sich - neben der sog. "Enkeltrick-Masche" - auf sog. "Schockanrufe" verlegt, bei denen vorzugsweise ältere Mitbürger in Angst und Schrecken versetzt werden, indem ihnen durch schauspielerisch begabte Anrufer z.B. ein weinender Sohn oder Schwiegertochter vorgetäuscht wird, der/die sich gerade wegen eines tödlichen Verkehrsunfalls in Polizeigewahrsam befindet und nun dringend eine hohe Kaution stellen muß. Diese soll der ältere Mitbürger selbstverständlich vorschiessen und an den "Polizeibeamten" aushändigen oder auf anderem Wege loswerden. 


Der britische Provider O2 hat nun einen Versuch gestartet, diese Masche mit den Waffen der KI zu bekämpfen. Mittels Sprachsynthese wird der Anrufer mit einer künstlichen "KI-Oma" namens Daisy verbunden, deren einzige Aufgabe es ist, den Anrufer möglichst lange hinzuhalten. Sie stellt - technisch unbedarft, wie sie ist, Rückfragen, erzählt von ihrer Katze oder ist einfach ein bisschen begriffsstutzig. 

Das Kalkül: Solange der Scammer mit der AI verbunden ist, kann er bei echten Kunden keinen Schaden anrichten. 

Der positive Nebeneffekt ist: Wenn's mal etwas länger dauert, können die Betrüger sich fortan nicht sicher sein, ob sie mit einer "echten Oma" oder nur mit Daisy verbunden sind. 

Daisys Rufnummern wurden in diverse Telefonbücher und Anrufslisten eingetragen, um entsprechend auch angewählt zu werden. Am besten wäre es ja, die menschlichen Opfer könnten im Falle des Falles einen solchen Anruf auf Daisy umleiten... 


Quelle:

Golem IT News


Donnerstag, 19. September 2024

Please don't eat my cat!

 Manchmal fehlen einem ja die Worte. Und dann gibt es zum Glück irgend wo im Internet jemanden, der macht einen Song draus 😎 Chapeau! 




Mittwoch, 19. Juni 2024

Fake-Shop Finder


Es passiert immer wieder: Mandanten haben "im Internet" ein Produkt bestellt und bezahlt, aber auch nach mehreren Wochen keine Lieferung erhalten. Ein kurzer Blick auf die Shop-Seite offenbart dem Kenner häufig: Hier wird nichts mehr geliefert werden; es handelt sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen "Fake-Shop", also juristisch gesprochen: einen "gewerbsmäßigen Eingehungsbetrug im Bereich der Warenlieferung". 

Die Verbraucherzentrale Berlin hat lobenswerter Weise kürzlich ein Webtool namens "Fake-Shop Finder" veröffentlicht. 

Damit kann man prüfen, ob eine URL im Internet Anhaltspunkte für einen Fake-Shop aufweist. Ich habe es mal mit einigen Test-URLs ausprobiert und muß sagen: Gar nicht so schlecht! 


Quelle:

Artikel Verbraucherzentrale Berlin

Fake-Shop Finder 

Freitag, 7. Juni 2024

Das Ende des "Personal"-Computers

Oder: Ich weiß, was Du gestern getan hast!  


Jeden Tag nutzen wir sie: "PCs". Ob als Laptop, Desktop, Subnotebook...

letztlich sind dies alles Varianten eines "persönlichen Computers", also eines Rechners, der für die persönliche Nutzung durch eine Person vorgesehen ist - anders als die in den 70ern gängigen Mainframes mit angeschlossenen Terminals.

Eine Prämisse dieser Art von Rechner war bisher immer: Der Nutzer ist Herr seiner Maschine. Das heißt, er selbst entscheidet im Wesentlichen, welche Software auf dem Rechner läuft, welche Daten lokal gespeichert werden und welche Einstellungen im Benutzerinterface vorgesehen sind. 

Das Cloud-Zeitalter hat hier bereits für eine leichte Erosion gesorgt; nun allerdings hat Microsoft für seinen KI-Assistenten "Copilot" eine Funktion vorgestellt, die die Idee eines "persönlichen" Computers ad absurdum führt: "Microsoft Recall". 

Die Funktion wurde als erweiterte und intelligente Suchfunktion für den Desktop vorgestellt, da sie nicht nach Dateien oder deren Inhalt sucht, sondern Bildschirminhalte der Vergangenheit KI-gestützt interpretiert! Dazu macht das Betriebssystem tatsächlich alle paar Sekunden einen Screenshot des Bildschirms und legt ihn als Grafikdatei mit Zeitstempel in einem Ordner ab. Diese Screenshots werden dann von einer KI analysiert und einerseits nach abgebildetem Text, andererseits aber auch nach abgebildeten Objekten ausgewertet. Erscheint auf dem Screenshot also gerade Ihre Online-PIN für irgend ein Account, merkt sich Recall das. Erscheint dort ein Foto Ihres neuen Mountainbikes, merkt sich Recall "Fahrrad, geländegängig". Beides können Sie also theoretisch über eine Textsuche wiederfinden. 

WAS? wird jetzt der ein oder andere aufgeschreckt denken - wird da also jetzt jeder Screenshot in die Cloud übertragen, um die Bildauswertung über OpenAI in der Cloud zu bewerkstelligen? Nein, tatsächlich soll dies lokal auf der Maschine erfolgen! Daher soll MS-Recall zunächst nur auf ARM-PCs mit NPU (Neural Processing Unit) installierbar sein, also vermutlich Surface-Geräten mit ARM-Prozessoren und eben NPU Coprozessor. Redakteure von heise.de haben aber bereits mittels verschiedener Anleitungen im Web es auch geschafft, die Vorschauversion auf einem älteren ARM-PC zu installieren und laufen zu lassen. Sie lief dort allerdings verhältnismäßig zäh, was an der fehlenden NPU liegen mag. 

Interessanter waren allerdings die technischen Findings: Die konkrete Ausführung der Funktion wirkt auf den ersten Blick etwas ... frickelig. Als hätte jemand mal eben schnell noch den Code fertig gestellt. Die gewonnen Daten für die Suche werden nämlich einfach im Klartext im Benutzerordner abgelegt! Unter c:\Users\ps\AppData\Local\ wird ein neuer Ordner \CoreAIPlatform.00 erzeugt, in dem sich dann sowohl eine SQLite-Datenbank, also auch ein "ImageStore"-Unterordner befindet, in dem die Screenshots einfach als JPEGs liegen. Ein Rechner, der sehr lange in Gebrauch war und eine hohe Bildschirmauflösung hat, dürfte dort also nach einiger Zeit gigabyteweise Bildmaterial horten. 

Grundsätzlich ist bei dieser Konstruktion der Ordner für jeden Nutzer einsehbar, der einen Account auf dem Rechner hat. Das können also auch mal Arbeitgeber, SysAdmin, Ehefrau, Kinder oder Kollegen sein. 

Das ist an sich schon sehr zweifelhaft und "unpersonal" für einen "PC". 

Schwierig ist allerdings: Wenn denn mal jemand die Sicherheit des PCs kompromittiert hat und - auf welchem Wege auch immer - Zugriff erlangt hat, kann er nicht nur die Daten eines Nutzers, sondern dank der KI-Funktion auch das Verhalten (!) des Nutzers in der Vergangenheit durchsuchen. Er kann sich also anschauen, wo der Nutzer gesurft ist, welche Programme er geladen und wie benutzt hat, in welcher Zeit er inaktiv war, in welcher Zeit er vielleicht unter einem anderen Account aktiv war etc. Er kann sogar das Webcam-Bild von Leuten sehen, mit denen der Nutzer gechattet hat, Kontostände, die der Nutzer kurz aufgerufen hat etc. 

Juristisch weiß ich jetzt gar nicht, an welche Stelle ich mit meinen Bedenken anfangen soll. 

Arbeitsrechtlich ist das ganze für Unternehmenscomputer höchst fragwürdig. Ein Arbeitgeber darf und will ja vermutlich gar nicht alles sehen, was ein Arbeitnehmer im Laufe eines Arbeitstages so auf seinem Bildschirm aufruft. Ob sich das effektiv verhindern läßt, ist mir momentan unklar. 

Datenschutzrechtlich haben wir insbesondere das Problem, das - bisher flüchtig - gerade bei Videokonferenzen die personenbezogenen Daten Dritter auf dem Bildschirm auftauchen. Diese werden jetzt verarbeitet und perpetuiert, so daß grundsätzlich Einwilligungen einzuholen wären. Auch kann das optische "Mitschneiden" ohne Erlaubnis einen Eingriff in Persönlichkeitsrechte darstellen, daneben auch den Straftatbestand "Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes" bzw. "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereiches durch Bildaufnahmen", §§ 201, 201a StGB erfüllen. Je nach Konstellation (Anwaltsrechner in einer Firma, Krankenhäuser...) kann dies sogar eine "Verletzung von Privatgheimnissen", § 203 StGB darstellen. 

Die Strafbarkeit hängt natürlich immer vom Vorsatz ab, wobei allerdings bei diesen Delikten in der Regel "Eventualvorsatz" ausreicht. 

Erstaunlich ist auch, daß Microsoft die Funktion offenbar bereits ab Mitte Juni 2024 offiziell ausrollen möchte! Das ist deutlich früher, als die meisten Experten es vom Entwicklungsstand her erwartet hatten. 


Quellen:

Heise - News: Erste Erfahrungen

Golem: Ein Security-Alptraum 


Nachtrag: Microsoft hat aktuell (Juni 2024) bekannt gegeben, daß die Funktion „Recall“ vorerst - aufgrund diverser geäußerter Bedenken - doch nur innerhalb des sog. „Insider-Programms“ verteilt wird. Es wird sich also vorerst (!) noch nicht um eine regulär ausgespielte Funktion handeln. Da allerdings die Funktion früher oder später mit Sicherheit für alle Windows-PCs kommen wird, lohnt es sich bereits jetzt, datenschutzrechtliche und arbeitsrechtliche Überlegungen anzustellen, wie mit dieser Funktion umzugehen ist. 


Freitag, 10. Mai 2024

ChatGTP auf dem C64...

Wieviel Hardware-Power braucht man, um das LLM ("Large Language-Model") von ChatGTP laufen zu lassen? Naja, mit dem neuen "LLaMA 2.0" kann man es mit einigen Einschränkungen sogar lokal auf handelsüblichen PCs laufen lassen (handelsüblich ist relativ; 32 GB Ram darf er dann doch schon gerne haben). 

Jetzt hat aber sogar ein Tüftler "GPT64" entwickelt. Mittels eines auf Datasette gespeicherten, sehr simplen Treiber steuert er eine auf 1200 Baud gedrosselte WLAN-Karte an, über die Fragen an die OpenAI-API gesendet und Antworten empfangen werden können.  


Die Länge der Antworten ist allerdings begrenzt, da der Speicherausbau des C64 nun mal bei den bekannten 64 kb liegt. 

Dienstag, 27. Februar 2024

Schau mir in die Augen, Blechkumpel!

 Zu tief in die Augen schaut offenbar ein kanadisch/amerikanischer Verkaufsautomat eines schweizer Herstellers, der beim Süßigkeitenverkauf für Mars&Wrigley direkt via Gesichtserkennung biometrische Daten zu Alter, Geschlecht, aber auch Tageszeit, Wetterlage etc. sammelte. So können direkt umfassende "Kundenstorys" gesammelt und ggfs. Profilbildung betrieben werden. 

Aufgefallen war dies durch den Absturz der entsprechenden App mit entsprechender Fehlermeldung auf dem Display des windows-getriebenen Verkaufsautomaten. 

Nach der DSGVO wäre das unzulässig; diese gilt aber bekanntlich in Kanada und den USA nicht. 


Quelle:

Heise News

Der Angriff der Klonkrieger...

Kennen Sie das Phänomen "Bossmail"? Es handelt sich um eine kriminelle Mischung aus social engineering und phishing, wobei sich ein Außenstehender nach entsprechender Ausspähung des Unternehmens den Anschein eines Entscheidungsträgers ("Boss") verleiht, um dann vermeintliche Mitarbeiter / Untergebene per Mail zu einer Zahlung von Firmengeldern auf eine fremde Kontoverbindung zu verleiten. Typische Storys sind hier (sinngemäß): "Hallo, hier ist der Chef, stecke gerade im Ausland in Verhandlungen mit unserem zukünftigen Partner "XY"; es wäre allerdings sehr wichtig, daß wir zunächst mal deren Vorschuss begleichen. Da können wir nicht auf die übliche Freigabe warten; ich habe Dir die Rechnung beigefügt, erledige das bitte umgehend!" - Und einer von 10 Mitarbeitern glaubt dann dem "Chef" und überweist tatsächlich Geld. 

Ein aktueller Fall in Hongkong schlägt jedoch dem Fass den Boden aus:

Hier haben die "Angreifer" gleich eine ganze Armee von KI-generierten Klonen (also virtuellen Abbildern echter Mitarbeiter!) zu einer Videokonferenz versammelt, um eben dem Eindruck der Legitimität auch noch so etwas wie "Gruppendruck" zu erzeugen und so dem Mitarbeiter eine plausible Geschichte dafür zu liefern, daß er "jetzt" das Geld überweisen muß. Immerhin 24 Mio € sollen so ergaunert worden sein; das Opfer hatte den Betrug erst während eines späteren "vor-Ort"-Gesprächs mit seinem Chef erkannt.


Quellen:

Heise-News

Wikipedia: Social Engineering

Freitag, 22. Dezember 2023

Epic: Erfolg im Streit mit Google


Der Gamesanbieter und -neben Steam- größte Spiele-Kaufportalbetreiber Epic Games hat einen wegweisenden Rechtsstreit gegen Google gewonnen. Konkret ging es in diesem - wie auch in dem parallel gegen Apple geführten - Prozess um die Vergütungsbedingungen der App-Stores dieser beiden Anbieter. Auf den Mobilplattformen iOS, iPadOS und Android sind Apple und Google so etwas wie "Gatekeeper", argumentierte Epic. Wer Software auf diesen Plattformen vermarkten will, kommt um die Gebührenzahlungen an diese beiden Branchenriesen nicht herum. Satte 30 % stecken sich dabei Google und Apple nicht nur vom Verkauf der jeweiligen Software ein, sondern auch danach noch von jeder Transaktion, die über die Software stattfindet. Man kauft z.B. bei einem Spiel ein in-Game-Objekt für 10,- $ und wieder gehen 30 % an Google. Epic stellte darauf hin die berechtigte Frage, warum eigentlich dann nicht 30 % von jeder Kaffeemaschine an Google fließen, die z.B. über die Amazon-App verkauft wird. 

Nachdem sich Apple im vorherigen Prozess vor allem mit Sicherheitsargumenten noch durchsetzen konnte, hat in dem Prozess gegen Google eine Jury entschieden, daß die Bindung des Bezahlsystems an den App-Store wettbewerbswidrig sei. Insgesamt wurden 11 Punkte gegen Google entschieden. Die richterliche Entscheidung über die Folgen des Jury-Verdicts steht noch aus. Berufung ist gegen das Urteil möglich; Google wird diesen Weg sicher ausschöpfen, bevor es sein gesamtes Marktplatzsystem umkrempeln muß. Es wäre v.a. ein großer Wettbewerbsnachteil für Google, wenn nur sie - und nicht Apple - sein AppStore-System umbauen müßte. Eine weitere Klage zwischen den beiden Unternehmen wäre sicherlich die Folge, so daß man bei Apple vermutlich ebenfalls der Berufung des Konkurrenten die Daumen drücken wird. 

Links:
Bereicht bei Heise News
CNN via youtube 

Montag, 13. November 2023

Happy Birthday, Windows?

 


Ziemlich genau vor 40 Jahren wurde das erste MS-Windows der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt existierte neben einem vagen Konzept und ein paar Screenshots vom fertigen Produkt noch wenig; so dauerte es noch von 1983 bis 1985, bis dann tatsächlich Windows 1.0 im November released wurde. 

Bill Gates erwarb sich damals den Titel "Viscount of Vaporware".

Bei mir dauerte es bis zur Version 2.11 (1989), bis ich meinen ersten Kontakt zu Windows auf dem 286er hatte. Damals konnte ich noch wenig damit anfangen, da es neben Aldus Pagemaker eigentlich kein einziges interessantes Programm dafür gab. 

Wirklich installiert und eingesetzt habe ich daher erst Version 3.0 auf dem 486er. Ab dem ominösen 3.11 ("for Workgroups") kam dann sogar Netzwerktechnik dazu. 


Dienstag, 29. August 2023

Train-Phreaking

Als ich heute die übereinstimmenden Pressemeldungen bei Heise und im Spiegel las, mußte ich unwillkürlich an das Telephone-Phreaking der 70er und 80er denken. Hier wurde über das Senden spezieller Signaltöne durch Hacker eine kostenlose Benutzung analoger Telefonleitungen ermöglicht; die dafür benötigten Geräte wurden meist selbst gebaut und allgemein als "blue box" bezeichnet. 

Dem "Internet Lore" entsprechend soll auch Steve Wozniak, der Mitgründer von Apple, in seiner Jugend ein "Phreaker" gewesen sein. 

In Polen ist nun ein prinzipiell recht ähnlicher Angriff - der ebenfalls über das Versenden analoger Töne funktioniert - auf das nationale Schienennetz erfolgt. Offenbar ist es möglich, mit der wiederholten Übertragung von drei Tönen über eine analoge Radiofrequenz polnischen Zügen ein "Anhaltesignal" zu senden. Auf diese Weise wurden innerhalb kurzer Zeit etwa 25 Züge zum Stehen gebracht. 

Außer entsprechender Verspätungen ist weiter kein Schaden entstanden; wer hinter den Attacken steckt - und ob diese dann in Zukunft "Train-Phreaking" genannt werden - ist noch unbekannt. 


Quellen:

Spiegel Nachrichten

Heise News

Wikipedia  

Donnerstag, 3. August 2023

Prank the Google Car!

 Google ist gerade dabei, seinen Bilderbestand für Google Street View aufzufrischen; demzufolge fährt das Google-Auto auch gerade durchs Münsterland

Neben der Diskussion, ob nun eine Kamera auf einem kleinen Mast auf dem Fahrzeugdach noch Aufnahmen im Rahmen der "Panoramafreiheit" macht und warum man eigentlich eine neue Ausnahme eintragen muß, wenn man sein Grundstück nicht veröffentlicht haben will (warum eigentlich nicht, es ist ja auch eine neue Datenerhebung...?) - 

... bietet sich das Google Car alle mal für eine Menge Scherze an! 


Das Google HQ auf der ABC-Straße in Hamburg hatte ja bei der ersten Befahrung seine Mitarbeiter "motiviert", dem Auto zuzujubeln - leider ist der Jubel im nun aktualisierten Bildmaterial ausgefallen.



Google-HQ Hamburg im Streetview damals und heute - Image Data © 2009 & 2022 Google

Dafür gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Leuten, die unter dem Stichwort Google Street View Pranks auf das Auto warten und beispielsweise Botschaften oder gar nachgestellte Verbrechensszenen vor ihren Häusern platzieren, um diese dann später in der Google-Karte wiederzufinden. 




Auch Superhelden sind teilweise am Strassenrand zu sehen... 

Bei mir ist das Google-Auto leider schon gewesen, sonst hätte ich etwas Lustiges ins Fenster gehängt. 

Image Data © 2022 Google