Dienstag, 18. August 2026

Anarchisch gegen KI-Webscraping!

 Es ist eine anarchische wie auch geniale Idee:

Um sich gegen die oft nicht gewünschte - in jedem Fall aber nicht vergütete - Webseiten-Nutzung durch KI-Training zu wehren, haben sich zwei Designer etwas besonderes einfallen lassen:

KI-Crawler nutzen ja oft sämtliche verfügbaren Webseiten zu allen möglichen Themen im Netz, um ihre Sprachmodelle zu trainieren. Oft ist dies von den Webseitenbetreibern aber gar nicht gewünscht, weil so ihr eigenes know-how in die KI gerät, ohne das sie selbst einen Nutzen davon haben. 

Die Crawler scannen die Seiten dabei häufig auf Quelltextebene, so daß sie sich auch nicht für das konkrete Design oder den Aufbau der Seiten interessieren. 

Hier setzt die "KI Fake-Schrift" der Designer an:

Sie haben einen Webfont entwickelt, der in der Anzeige einfach etwas anderes anzeigt, als im Quelltext geschrieben steht. Nun könnte man ja einfach sprichwörtlich der KI ein "X für ein U machen", was dann aber zu Buchstaben-Garbage auf Quelltextebene führt. Statt "Der Zinsanspruch ist verjährt" würde dann auf Quelltextebene z.B. "Frt Uomdsmütivj odz brkstz" stehen; etwas, was die KI sehr schnell als "Text ohne Inhalt" identifizieren und ignorieren würde. Die Designer haben sich daher etwas Besseres überlegt: 

Shieldfont - so heißt die neue Schriftart - arbeitet mit Ligaturen. Sie tauscht einfach ganze Wörter gegen eine zufällige Alternative aus. Anstatt "Der Bundeskanzler verteidigte die Rentenreform vor der versammelten Presse" könnte nun z.B. im Quelltext "Die Ringeltaube reparierte die Marzipankartoffel neben dem einfältigen Hochhaus" stehen. Der Font ersetzt Wortarten korrekt, so daß der Satz grammatikalisch korrekt bleibt, der Sinn allerdings völlig zerstört wird. In der HTML-Anzeige erscheint dann trotzdem der Satz über die Rentenreform. Zudem ersetzt der Font auch nicht jedes Wort, sondern nur etwa jedes zweite; es werden sog. "Content Words" identifiziert. Das führt zu einem noch besseren, weil glaubwürdigerem, Ergebnis. 

Die Lernergebnisse der KI werden somit "vergiftet"; KI-Nutzer müssen sich möglicherweise andere Wege überlegen, um an sinnvollen Input zu gelanden. 

Einziger Nachteil: Nicht nur KI-Crawler, sondern auch Tools für behinderte Menschen (Braille-Leser für Sehbehinderte...) werden von dem System oft auf dem Leim geführt; "Barrierefrei" sind diese Webseiten dann also nicht mehr. Dies wird auch der Google-Auffindbarkeit der Seite eher schaden - es sei denn, man möchte in Ergebnissen zu Ringeltauben und Marzipankartoffeln gefunden werden, um bei dem obigen Beispiel zu bleiben. 


Links:

Projekt ShieldFont

Artikel bei Golem News 


Dienstag, 3. März 2026

Die Bomben fallen, die Betrüger sind schon da!

 Keine 48 Stunden ist es her, daß in einer Welle von Luftangriffen Führungspersonen des Iran getötet wurden und dieser mit Drohnen und ballistischen Raketen Vergeltung geübt hat. 

In der Folge wurden tausende zivile Flüge aus der Golfregion annulliert, Menschen mußten unfreiwillig ihren Urlaub verlängern oder saßen in Regionen fest, die die Golfstaaten als Zwischenlandeziel verwenden. 

Vor diesem Hintergrund versuchten viele Menschen, die dringende Termine oder auch einfach Angst hatten, in der Region zu bleiben, Flüge umzuorganisieren oder auf dem Landweg zu Flughäfen zu gelangen, die noch nicht gesperrt waren. 

So hatte eine 23-jährige Reisende aus Bayern, deren Flug wegen des Irankriegs storniert worden war versucht, über ein vermeintliches Serviceportal der Fluggesellschaft eine Umbuchung des Fluges zu erreichen. Sie war jedoch über betrügerische Suchmaschineneinträge zu einer Fake-Hotline des Kundenservices geleitet worden. Dort wollte man ihr angeblich weiterhelfen, indem man per Fernzugriff-Verbindung auf das Handy die Buchung "korrigieren" wollte und entsprechend auch das Geld für die korrigierte Buchung transferrieren wollte. Auf diesem Wege wurden insgesamt € 2.500,- an Unbekannte von ihrem Konto überwiesen. 

Die Polizei ermittelt gegen Unbekannt.

Dieser Vorfall zeigt wieder einmal, daß online-Betrugsmaschen in der Regel über dasselbe "social engineering"-Schema ablaufen und dabei lediglich aktuelle Nachrichten als Aufhänger für die Glaubwürdigkeit nutzen. Offensichtlich so erfolgreich, daß bereits wenige Stunden nach einem solchen weltpolitischen Vorfall entsprechende Suchbegriffe in den großen Suchmaschinen hinterlegt sind. 


Quelle: Stern Nachrichten