Es ist eine anarchische wie auch geniale Idee:
Um sich gegen die oft nicht gewünschte - in jedem Fall aber nicht vergütete - Webseiten-Nutzung durch KI-Training zu wehren, haben sich zwei Designer etwas besonderes einfallen lassen:
KI-Crawler nutzen ja oft sämtliche verfügbaren Webseiten zu allen möglichen Themen im Netz, um ihre Sprachmodelle zu trainieren. Oft ist dies von den Webseitenbetreibern aber gar nicht gewünscht, weil so ihr eigenes know-how in die KI gerät, ohne das sie selbst einen Nutzen davon haben.
Die Crawler scannen die Seiten dabei häufig auf Quelltextebene, so daß sie sich auch nicht für das konkrete Design oder den Aufbau der Seiten interessieren.
Hier setzt die "KI Fake-Schrift" der Designer an:
Sie haben einen Webfont entwickelt, der in der Anzeige einfach etwas anderes anzeigt, als im Quelltext geschrieben steht. Nun könnte man ja einfach sprichwörtlich der KI ein "X für ein U machen", was dann aber zu Buchstaben-Garbage auf Quelltextebene führt. Statt "Der Zinsanspruch ist verjährt" würde dann auf Quelltextebene z.B. "Frt Uomdsmütivj odz brkstz" stehen; etwas, was die KI sehr schnell als "Text ohne Inhalt" identifizieren und ignorieren würde. Die Designer haben sich daher etwas Besseres überlegt:
Shieldfont - so heißt die neue Schriftart - arbeitet mit Ligaturen. Sie tauscht einfach ganze Wörter gegen eine zufällige Alternative aus. Anstatt "Der Bundeskanzler verteidigte die Rentenreform vor der versammelten Presse" könnte nun z.B. im Quelltext "Die Ringeltaube reparierte die Marzipankartoffel neben dem einfältigen Hochhaus" stehen. Der Font ersetzt Wortarten korrekt, so daß der Satz grammatikalisch korrekt bleibt, der Sinn allerdings völlig zerstört wird. In der HTML-Anzeige erscheint dann trotzdem der Satz über die Rentenreform. Zudem ersetzt der Font auch nicht jedes Wort, sondern nur etwa jedes zweite; es werden sog. "Content Words" identifiziert. Das führt zu einem noch besseren, weil glaubwürdigerem, Ergebnis.
Die Lernergebnisse der KI werden somit "vergiftet"; KI-Nutzer müssen sich möglicherweise andere Wege überlegen, um an sinnvollen Input zu gelanden.
Einziger Nachteil: Nicht nur KI-Crawler, sondern auch Tools für behinderte Menschen (Braille-Leser für Sehbehinderte...) werden von dem System oft auf dem Leim geführt; "Barrierefrei" sind diese Webseiten dann also nicht mehr. Dies wird auch der Google-Auffindbarkeit der Seite eher schaden - es sei denn, man möchte in Ergebnissen zu Ringeltauben und Marzipankartoffeln gefunden werden, um bei dem obigen Beispiel zu bleiben.
Links:
Projekt ShieldFont
Artikel bei Golem News