Sonntag, 22. März 2015

CeBIT 2015 Nachlese

CeBIT 2015 Nachlese... Ein Bildbericht!

So, das war sie schon wieder, die CeBIT 2015... Im Internet und in den Medien gibt es sicherlich hunderte Nachrufe, Zusammenfassungen, Trendsbarometer...
Daher gibt es dieses Jahr von mir die erste völlig subjektive, unvollständig bebilderte CeBIT-Nachlese, in der ich nur die Dinge zeige, die mir persönlich aufgefallen waren!


Freitag morgen, Abfahrt in Münster: Ach ja, es ist außerdem noch Sonnenfinsternis! Wie sie sehen, sehen sie nichts, da Münster wieder einmal in dichtestem Hoch-, Mittel- und Tiefnebel erstrahlt... Obwohl doch, da ist etwas: Der Nebel ist dunkler als sonst...!



Ankunft Hannover: Der Messeturm steht noch, der ehemalige deutsche Expo-Pavillion auch...
Ein bischen stellt sich noch EXPO-2000 - Feeling ein, obwohl die kilometerlangen
Warteschlangen fehlen...

...überhaupt wirkt die CeBIT überraschend - sagen wir: Aufgeräumt. Man könnte auch sagen: Leer. Parkplatzsuche ist kein Problem, auch wenn das Tagesticket nun endlich die € 10,- erreicht hat (letztes Jahr war man da mit € 8,- noch etwas verschämt). Keine Schlangen an den Einlässen. Dieses Jahr probiere ich mal den "Eingang West" aus und dränge mich zuerst durch "Communications & Networks, Datacenter und create-develop-elaborate"... Einen Hallenplan gibt es hier: Link Maps





Zwar habe ich bei Networks keinen Google Nest-Stand gesehen, aber vernetzte Heimautomation in Form von Heizungs- und Lichtsteuerung ist immer noch ein Thema... Teilweise erschließen sich mir die Vorteile nicht ganz, denn eine gut eingestellte und mit Sensoren ausgestattete Heizung erkennt von allein, wann sie heizen soll; da benötige ich kein Smartphone-Interface... Und warum ich vom Büro aus in meinem Wohnzimmer das Licht schalten können soll, habe ich so recht auch nicht verstanden... Wenn es der Einbruchshemmung dienen soll, überlasse ich das gern der Alarmanlage.









Dichtes Gedränge am Tesla-Stand... Ich hatte auf eine Sitzprobe im neuen Model X gehofft. Es gibt aber nur das "alte" Model S... das kenne ich schon lange, immerhin steht das seit fast einem Jahr bei meiner Frau im Dienstfahrzeugpool!






...bis dann auf einmal ein Schlaumeier entdeckt: "Oh, die haben ja den Motor vergessen!"









Und da dieses Jahr ja alles "Industrie 4.0" ist (Sie wissen schon: d!conomy, internet of things, blablabla...), hat CLAAS seinen Stand einfach "Farming 4.0" genannt. Das fand ich irgendwie schön...






Inklusive dem neuen Slogan: "Bauernweisheit reloaded - the wisdom of farmers crowd reviewed". Fand ich auch ganz nett, wenn auch vielleicht wenig griffig....











Auch die bunten Claas-Farming 4.0-Kühe haben scheinbar Interesse am benachbarten Tesla-Stand und hätten gern ähnlich viel Aufsehen rundherum!









create - develop - elaborate. Die Halle der Tüftler, Erfinder und Gründer. Spontan fiel mir irgendwie beim Eingang auf: Hier wäre durchaus noch Platz für Ihre Erfindung gewesen...




Zur Ehrenrettung muß man allerdings sagen: Das Interesse am Heise-Developer-Forum war dann doch wieder einigermaßen groß!









Gesture Powered Advertising - wenn Einkaufen magisch wird. Ehrlich gesagt habe ich ein wenig die Hoffnung, daß sich dieser Trend nicht durchsetzen wird. Ich sehe schon in unseren Einkaufszentren dutzende Leute sich zum virtuellen Affen machen, um die neue Windbreaker-Collection anzuprobieren... Und ganz ehrlich: Wenn sich das Handling nich noch erheblich verbessert, habe ich die Jacke schneller in der realen Welt anprobiert, als virtuell meinem Alter Ego übergestreift!




Volkswagen bringt wieder mal den XL1 mit zur Messe. 0,9 Liter kombinierter Spritverbrauch.
Irgendwie denkt man unwillkürlich: Langweilig, alles schon gesehen. Wo kann ich das jetzt kaufen? Dafür gibt es diesmal keine selbstfahrenden Luxuscars und keine Gestensteuerung im Cockpit. Auch war mir diesmal die augenfällige Abwesenheit von Drohnen aufgefallen. Auf der letzten CeBIT gab es gefühlt mehr Drohnen als Besucher. Irgendwie ist dieses Thema durch. Komisch, da wären mir noch zahlreiche Aufgaben eingefallen, die mal zusammen mit intelligenter Software verwirklichen könnte...





Na endlich, es gibt sie doch noch, die selbstfahrenden, sensorbestückten, eine Linie verfolgenden mini-Roboter-Chassis. Diesmal aber nur als Lernprojekt einer Universität. Irgendwie oldskool, aber schön!







Bäm! Die Halle 6, Global Business und Business Security, war die Halle des Partnerlandes China. China belegte dort gefühlte 50 Hektar Standfläche, die auf mich so wirkten: Sehr weiß, sehr hochglanz, und - sehr leer! Ich will nicht sagen, daß es dort nichts zu sehen gab - aber die großen Innovationen suchte man vergeblich. Ein 101-Zoll-Display in 4K- Auflösung. Ja gut. Ein Plan einer automated factory - wer will das in einem Land, wo der Stundenlohn weniger als bei uns das Briefporto beträgt. Und Huawei macht was mit Internet und Smartphones. Ja, hab' ich schon mal gehört. Und wer ist BOE?


Aaaber: Es gibt ja noch Alibaba. Die sind China! Die hatten einen orangenen Stand mit orangenen Werbeartikeln und orangenen Ganzkörper-Anzugs-Menschen. Und einen 101-Zoll-Display, auf dem immer wieder der Vorstand des Unternehmens bei seiner Freude über den Börsengang zu sehen war. Und eine Zettel-Pinwand, an die man seinen persönlichen Wunsch an das Internet 'ranpinnen konnte. Da standen so Sachen wie "Fruchtbarmachen für den Weltfrieden", "alle Menschen mitnehmen auf dieser digitalen Reise", "no frontiers", "weniger Werbung"... Ich habe einen Zettel angepinnt, auf dem steht: "Liebes Internet, bitte nerv' mich nicht!".






Das Open Source Forum war begehrt und umlagert. Sehr schön, so soll es sein!









Blackberry ist wieder da! Na sowas? Haben die sich irgendwo Geld für die Standmiete geliehen, oder hat die CeBIT die gesponsort, um das ewige Fernbleiben von Apple zu kompensieren?... Ach nee, hier geht es ja um Profigeräte und nicht um "Prosumer"...








Halle 6, Stand G28, die Schweizer Garde rückt aus! Nein, das ist nicht der Stand des Vatikans, sondern hier geht es um "SicherheIT für Systemhäuser". Ein Hingucker, das muß man anerkennen! Was allerdings dem jungen Mann fehlt, der sich von rechts in mein Foto 'reinbückt, konnte ich nicht ergründen...









Halle 4, Digital Business Solutions: Hier stehen die Großen! Und die können wieder mal nur groß. 
Software AG, Microsoft, SAP, Telekom - die Gigantomanie der Stände kennt keine Grenzen... 













Die Telekom ist mit 1.000en magentafarbenen Regenschirmen angerückt. Selbst die Deckenbeleuchtung der Messehalle errötet darüber leicht...








Die Software-AG hat eine Spielzeugeisenbahn mitgebracht. Ach nee, einen Spielzeug-Offshore-Windpark. Niedlich. Wer weiß, vielleicht steht sowas mal in deutschen Kinderzimmern, wenn sich in 40 Jahren niemand mehr an die Bedeutung des Worten "Eisenbahn" erinnnert...


Bei SAP ist zwar auch alles BIG, aber auch irgendwie GRÜN! Daher hat man echtes Gras eingeflogen, aus dem die Displays wachsen, die mietshausgroße Stellwand ist aus Echtholz-Paletten zusammen gefügt, und überhaupt ist jetzt alles "simple" und "Echtzeit", dank HANA. Keine Ahnung, was es vorher war.





Endlich mal was Handfestes! Am Heise-CT /-iX-Stand gibt es public brewing. Nein, nicht im übertragenen Sinne, sondern es kommt tatsächlich am Ende eine Faßbrause aus der Maschine. Davor sieht man, wie in einer Düsseldorfer Altstadtbrauerei zur Tat geschritten wird. Die Standbetreuung klagt mir ihr Leid, daß sie das Ende der CeBIT herbeisehnt, weil sie jetzt den CT-Jingle zum 1.356.854sten Mal ertragen mußte...










So eine Messe ist recht laut. Was also tun, wenn man eher audiophile Genüsse präsentieren will? Burmeister baut einfach ein Visitor-Show-Aquarium, wo man in der geschützten Glasblase die phonischen Nuancen des DIVA-Klangwunders bestaunen kann.







Das ist das Ende. Und zwar für die chinesischen Zulieferer meist schon Freitag gegen 16:30. Da möchte man gern noch seinen Flieger nach Hause erreichen. Und überläßt Hubs, Switches, Werbetassen, Flyer und was sonst nicht mehr befördert werden will, ihrem Schicksal. Das folgt auf den Fuß: Die Beutelratten sind los! So nennt man in Fachkreisen die technophilen Scavenger, die mit immer dickeren Beuteln oder Rucksäcken durch die verlassenen Stände eilen, auf der Suche nach technischen Trophäen oder dem ganz großen Schnäppchen.


Einige Chinesen machen aus der Not eine Tugend und verkaufen mit einem dicken Schild "Sale" einfach ihre gesamte Stand-Ausstattung. Andere versuchen, mit meterweise Frischhaltefolie zumindest die 27-Zoll-Displays und teuren LED-Spots vor dem ungewünschten Abtranport zu retten...


Das war die CeBIT 2015! Hat es sich gelohnt? Nun, die Global Conference mit Greenwald und Snowden war es sicher wert - die konnte ich mir aber bequem von zu Hause aus anschauen:
Video-Link.


Werde ich trotzdem nächstes Jahr wieder da sein? Wahrscheinlich schon, denn vielleicht gibt es ja irgend wann auch in der IT-Welt noch etwas Neues! Bis dahin....




Dienstag, 17. März 2015

CeBit 2015 Tickets

Liebe Leute,
Die CeBit hat mal wieder ihre Pforten geöffnet. Ich werde mir das Spektakel am Freitag, den 20.03. anschauen... Bis dahin hätte ich noch vier Tickets zu vergeben! Die ersten vier eMails, die mich erreichen, bekommen ein Messe-Invite!

Beste Grüße und bis dahin,
Jürgen Hüneborn

Donnerstag, 22. Januar 2015

The Age of Privacy is over! - or is it not?


The age of privacy is over - sagte zumindest Marc Zuckerberg, Facebook-Gründer, im Jahr 2010. Diese Aussage wird sicher nicht hauptsächlich einer hellseherischen Gabe, sondern eher den geschäftlichen Interessen des SocialNetwork-Großverdieners geschuldet sein.
Wenn nun der EU-Rat zusammen mit dem Bundesinnenminister ebenfalls in dieses Horn bläst, muß man sich fragen, was hierfür eigentlich der Anlaß ist.
"Zweck dieses Gesetzes ist es, den Einzelnen davor zu schützen, dass er durch den Umgang mit seinen personenbezogenen Daten in seinem Persönlichkeitsrecht beeinträchtigt wird." - so lautet der erste Satz des Bundesdatenschutzgesetzes. Der Gesetzgeber war also offenbar der Meinung, daß der Umgang mit personenbezogenen Daten zu einer Beeinträchtigung des Persönlichkeitsrechts - also eines Grundrechts - der Bürger führen kann. Dementsprechend war auch seit 1999 jahrelang die ständige Auffassung des Bundeswirtschafts- wie auch innenministeriums, daß Verschlüsselung der Internetkommunikation gewissermaßen ein Bürgerrecht und wünschensrecht ist, ja daß nur eine starke Verschlüsselung ohne Hintertüren das einzig wirksame Gegenmittel zu einer global zunehmenden Wirtschaftsspionage sei.
Nun fordert der Anti-Terror-Koordinator des Rates der Europäischen Union in seinem Arbeitspapier vom 17.01.15 die EU-Kommission auf, Regeln für eine obligatorische Hinterlegung kryptographischer Schlüssel zu finden. Die Idee dazu kam von der britischen Regierung. Jedoch hat sich nun auch der Bundesinnenminister dieser Forderung angeschlossen, da "man es nicht zulassen wolle, daß es im Internet Kommunikationswege gibt, die für Sicherheitsbehörden nicht einsehbar sind.". Diese Argumentation muß man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. In die Offline-Welt übertragen könnte man ebenso fordern, daß alle Bürger eine Kopie ihres Hausschlüssels bei den Behörden hinterlegen sollen, da man es nicht zulassen könnte, daß im Schutze der eigenen vier Wände Gespräche stattfinden, von deren Inhalt die Sicherheitsbehörden keine Kenntnis nehmen können. Eine gründlichere Aushöhlung der Unverletzlichkeit der Wohnung kann man sich kaum denken; dies liegt wahrscheinlich für jeden auf der flachen Hand. Wenn es aber um eine Übertragung in die Online-Welt geht, scheint das Grundrecht des Persönlichkeitsrechts - wie es mit dem Grundsatz der Datensparsamkeit im BDSG fest verankert ist - keine so große Rolle mehr zu spielen. Sonst wäre jedenfalls der öffentliche Aufschrei gegen solch unmoralische Forderungen größer.

Und die Moral von der Geschicht'?
Verschlüsselung funktioniert! Das zeigt die aktuelle Debatte ganz klar. Die Enthüllungen von Edward Snowden haben zu einer Zunahme der Verschlüsselung im normalen eMail-Verkehr und bei sonstiger Online-Kommunikation geführt. Offensichtlich haben die Geheimdienste und Sicherheitsbehörden tatsächlich erhebliche technische Schwierigkeiten, verschlüsselte Kommunikation abzuhören. Ansonsten würde man sich sicher nicht mit solchen fragwürdigen Forderungen ins Rampenlicht der Öffentlichkeit wagen. Als Berufsgeheimnisträger empfehle ich nur: Wehret den Anfängen!

Quelle: Heise News,

Im Schaden vereint...

Zuletzt Microsoft, jetzt Apple: Im Rahmen seiner "resposible disclusore" - Policy deckt Google Sicherheitslücken in der Software fremder Unternehmen auf.
Auf der Webseite google security research kann man die Sicherheitslücken von der Entdeckung bis zu ihrem weiteren Schicksal verfolgen. Google gibt dabei jedem Unternehmen genau 90 Tage Zeit, die Sicherheitslücke selbst durch einen Patch zu schließen, danach wendet man sich mit einer genauen Beschreibung und einem Exploit - also einer "Machbarkeitsstudie" - an die Öffentlichkeit. Zuletzt traf es Microsoft, die eine Lücke in den Betriebssystemen Windows 7 und 8.1 nicht rechtzeitig patchen konnten. Nun merkt auch Apple, daß bei Google 90 Tage genau 90 Tage lang sind. In OS X 10.5.1 können Programme, die eigentlich in einer "Sandbox" laufen, diese Sicherheitssperre umgehen und auf bestimmte Ressourcen des übrigen Systems zugreifen.

Quelle: Heise News

Montag, 15. Dezember 2014

Weihnachtsgeschenke!

Während hier in Deutschland ein Streik bei Amazon dafür sorgen könnte, daß manches Weihnachtsgeschenk später unter den Baum kommt als erwartet, konnte Sky News den englischen Amazon-Kunden ein "große Freude" verkündigen:
Der Erlöser persönlich ist zwar nicht erneut erschienen, aber am letzten Freitag wurde hunderten Amazon-Usern für ihren gewünschen Artikel nur 1 Penny in Rechnung gestellt. Dies lag allerdings nicht an vorweihnachtlicher Freigiebigkeit der Händler, sondern an dem Softwarefehler eines verwendeten Preisanpassungstools (rePricerExpress).
Dieses soll eigentlich die Preisentwicklung der Konkurrenz beobachten und dann die eigenen Produkte innerhalb eines definierten Spielraums entsprechend platzieren. Dies funktionierte offensichtlich nicht; Amazon hat wohl zahlreiche der 1 ct - Artikel bereits verschickt.
Nach deutschem Recht dürfte die Fehlfunktion der Software wohl einen Anfechtungsgrund darstellen; ob allerdings die so "beschenkten" Kunden ihre Artikel freiwillig wieder hergeben, bleibt abzuwarten.

Quelle:
Heise-News
sky-News

Dienstag, 18. November 2014

Tägliche Kontrolle des geschäftlichen Spam-Filters



Ein interessanter Beitrag meiner Mitarbeiterin Frau Beckerhoff zum Urteil des LG Bonn zum Thema Berufshaftung und SPAM-Filter...

Obgleich es im entscheidenden Sachverhalt nicht auf die Ausführungen ankam, stellt das Landgericht Bonn in seinem Urteil ( AZ. 15 O 189/13) zum Schadensersatz aus einem Anwaltsvertrag fest, daß derjenige, der ein geschäftliches Email-Konto mit aktiviertem Spam-Filter unterhält, seinen Spam-Ordner täglich durchsehen muß, um versehentlich als Werbung aussortierte Emails zurück zu holen. Die Entscheidung eröffnet den Blick auf vergleichbare Zusammenhänge bei der herkömmlichen Post sowie den systematischen Hintergrund für die Anforderungen.

Im vorliegenden Fall hatte der beklagte Rechtsanwalt eine von der Gegenseite seiner ehemaligen Mandantin – der jetzigen Klägerin - als Email erhaltenes Vergleichsangebot nicht innerhalb der gesetzten Annahmefrist an die Klägerin weitergeleitet. Der Beklagte hat vorgetragen, die Email sei in den Spam-Ordner seines Email-Kontos gelangt. Unstreitig hatte der Beklagte jedoch vor Ablauf der Annahmefrist Kenntnis von dem Vergleichsangebot.
Die in der verspäteten Weiterleitung des Vergleichsangebots liegende Verletzung der anwaltlichen Pflicht sei, so das Gericht, auch schuldhaft erfolgt. Der Beklagte könne sich gegen das nach § 280 Abs. 1 S. 2 BGB vermutete Verschulden nicht dadurch entlasten, daß die Email nicht im Email-Postfach einging, sondern durch den Spam-Filter aussortiert worden sei. Der Beklagte habe die im Verkehr erforderliche Sorgfalt nicht beachtet, weil er seinen Spam-Filter nicht täglich kontrolliert hat. Die Email-Adresse führe der Beklagte auf seinem Briefkopf auf und stelle sie dadurch als Kontaktmöglichkeit zur Verfügung. Es liege im Verantwortungsbereich des Beklagten, wenn er eine Email-Adresse zum Empfang von Emails zur Verfügung stelle, daß ihn die ihm zugesandten Emails erreichen.

Die Entscheidung mutet zunächst kontraproduktiv an, da der Sinn eines Spam-Filters gerade darin besteht, unerwünschte und aufwändig zu bearbeitende Werbemails für den Nutzer auszusortieren.
Betrachtet man hingegen die Rechtsprechung zur Behandlung der in den herkömmlichen Briefkasten gelangten Post, so sind die Erwägungen des LG Bonn konsequent. Als Maßstab für die angemessene Sorgfalt wird danach – zumeist im Rahmen des Verschuldens bei der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand wegen Fristversäumung - nicht nur die Schaffung ausreichender Vorkehrungen dafür angesehen, daß der Empfänger die an ihn gerichtete Post tatsächlich erhält. Auch reicht es zur Sicherstellung des tatsächlichen Empfangs nicht allein aus, einen geeigneten Briefkasten anzubringen und regelmäßig zu entleeren. Erforderlich ist darüberhinaus danach auch, daß die in den Briefkasten gelangende Post gründlich durchgesehen und kontrolliert wird, damit Schriftstücke nicht übersehen werden oder verlorengehen. Zu einer sorgfältigen Überprüfung gehört auch die Durchsicht alltäglicher Werbesendungen, um wichtige Post aussortieren und wahrnehmen zu können.( OVG NW Urteil v.22.08.1996, AZ. 20 A 3523/95; Baumbach/Lauterbach/Albers/Hartmann ZPO 72. A. 2014, § 233 Rn 35; in diesem Sinne auch LAG Köln MDR 1994, 1245)
Das Landgericht Bonn überträgt damit die für die Postsendungen im Hausbriefkasten bestehenden Anforderungen auf die Email-Empfangsvorrichtugen. Eine solche Gleichstellung scheint gerechtfertigt. Mit der Anbringung eines Hausbriefkasten wird der Kasten als Empfangsvorrichtung für den Empfang von Erklärungen gewidmet. Entsprechend ist eine Mail-Box als solche Empfangsvorrichtung anzusehen, wenn der Nutzer im Geschäfts- und Rechtsverkehr mit seiner Email-Adresse auftritt.( vgl. Ultsch, NJW 1997, 3007)
Zwar gibt es bezüglich der Sorgfaltspflichten bei Postsendungen Erwägungen zur Zumutbarkeit, die darauf abstellen, daß der Erhalt von Werbesendungen durch entsprechende Aufkleber am Briefkasten weitgehend unterbunden, jedenfalls aber auf ein verträgliches Maß begrenzt werden kann( OVG NW Urteil v. 22.08.1996, AZ 20 A 3523/95); ein Ziel, das gerade auch durch den Spam-Filter erreicht werden soll. Im Unterschied zu der Unterlassungsaufforderung auf dem Briefkasten, die den Erhalt der regulären Post durch die Zusteller nicht verhindert, ist es bei dem Spam-Filter technisch nicht gesichert, daß nicht auch erwünschte wichtige Emails aussortiert werden, so daß die Zumutbarkeitserwägungen hier nicht in gleichem Maße greifen.

Die Stimmigkeit der Rechtsprechung im Regelungszusammenhang ergibt sich aus der Zusammenschau mit den Bestimmungen zum Zugang einer Willenserklärung. Soweit man die in einer Datei gespeicherte und – wie regelmäßig – in der Mail-Box eingelegten Email als eine verkörperte Willenserklärung unter Abwesenden ansieht, richtet sich deren Zugang nach § 130 BGB. Nach § 130 BGB genügt es für den Zugang bereits, daß die Erklärung so in den Machtbereich des Empfängers gelangt ist, daß dieser die Möglichkeit zur Kenntnisnahme hat. Der Zugang ist dabei in dem Zeitpunkt gegeben, in dem der Empfänger unter gewöhnlichen Umständen von der Erklärung Kenntnis nehmen konnte. Maßgeblich ist bei der Email somit, wann eine Leerung der Mail-Box üblicherweise erwartet werden kann. Dies ist der Eingangstag oder spätestens, wenn die Mitteilung außerhalb der üblichen Geschäftszeiten eingeht, der nächste Tag. (Ultsch, NJW 1997, 3007, 3008/9; MK-Einsele BGB 6.A. 2012, § 130 Rn 18,19; Pal-Ellenberger BGB 73.A., § 130 Rn 7a) Dies muß entsprechend auch für die in einem Spam-Filter aussortierte Email gelten, da auch diese dem Zugriffs- und Verantwortungsbereich des Empfängers unterliegt. Der Spam-Filter teilt quasi als Unterfach der Mail-Box den Charakter der Empfangsvorrichtung, da er unter der selben Email-Adresse geführt und erreicht wird. Die Frage eines Zugangshindernisses oder einer Zugangsstörung stellt sich damit nicht. Die Wirksamkeit der Erklärung tritt somit unabhängig von der tatsächlichen Kenntnis mit dem Zugang nach § 130 BGB ein. Will der geschäftlich tätige Nutzer nicht die Gefahr der Verfristung oder Untätigkeit gegenüber wichtigen und eilbedürftigen Nachrichten eingehen, muß er regelmäßig auch die in seinen Spam-Filter gelangten Emails auf wichtige Nachrichten kontrollieren. Der von der Rechtsprechung geforderte Tages-Rhythmus dürfte sich dabei auf Grund des Zugangszeitpunktes und damit der Wirksamkeit der Erklärungen rechtfertigen. Zurechnungserwägungen nach Risikosphären kommen unter dem Gesichtspunkt der Zugangsstörung lediglich dann in Betracht, wenn auf Grund der Art der Filtertechnik keine Speicherung in dem Spam-Ordner erfolgt und die Email für den Nutzer nicht abrufbar ist.

Der eigentliche Grund für die danach grundsätzlich gegebene Untersuchungspflicht, wie sie das LG Bonn annimmt, liegt letztendlich in den technischen Unzulänglichkeiten der Spam-Filter, die nach wie vor Fehlerraten aufweisen, die eine Kontrolle des wahren Inhalts der elektronischen Erklärung nötig machen. Anders könnte die Interessenlage zu beurteilen sein, wenn eine sichere Methode für die Werbefilter besteht.

Mittwoch, 12. November 2014

Bei eBay nichts Neues!

Eine sogenannte "eBay-Auktion" ist ein verbindlicher Kaufvertrag, bei dem der Verkäufer die aufschiebend bedingte Annahme des höchsten, gültig abgegebenen Gebotes zum Zeitpunkt des Auktionsendes erklärt. So lautet eigentlich die ständige Rechtsprechung zu Fragen rund um die Erfüllung, Anfechtung und den Schadensersatz bei eBay-Auktionen. Die Folge ist, daß man zwar eine eBay-Auktion vorzeitig abbrechen kann - nämlich dann, wenn man über einen zutreffenden Anfechtungsgrund verfügt - sich ansonsten aber wie bei jedem anderem Vertrag auch schadensersatzpflichtig machen würde.

Diese einfache Wahrheit wollen offenbar immer noch nicht alle eBay-Kunden wahrhaben. So hat der BGH in einer heute bekannt gewordenen Entscheidung einem Bieter Schadensersatz in Höhe von Eur 5.250,- minus einem Euro zugesprochen. Der Bieter hatte auf ein KFZ Eur 555,55 geboten, das Mindestgebot stand bei einem Euro. Der Verkäufer hatte das Fahrzeug außerhalb der Auktion verkaufen können und daher die Auktion abgebrochen. Einen Anfechtungsgrund hatte er nicht. Zum Zeitpunkt des Abbruchs - also des Aktionsendes - stand das höchste Gebot erst beim Mindestgebot. Der Höchstbieter bestand nun auf Erfüllung seines Vertrages und forderte Schadensersatz in Höhe der Differenz zwischen seinem aktuellen Gebot und dem festgestellten Wert des KFZ. So sah es auch der BGH und folgte seiner jahrelangen, ständigen Rechtsprechung zu eBay-Kaufverträgen.

Die rechtliche Ausgestaltung der eBay-Auktionen ist dabei erstaunlicherweise offenbar relativ wenigen eBay-Nutzern bekannt; das lassen jedenfalls zahlreiche, überraschte Kommentare zu dem unten verlinkten Spiegel-Artikel vermuten. Viele Nutzer scheinen eBay für eine Art "Webshop" zu halten, bei dem ein Produkt freibleibend angeboten wird und der Kunde so etwas ähnliches wie eine "Bestellung" aufgibt. Das dies nicht so ist, stellt gerade den besonderen Unterschied von eBay zu fast allen anderen Handelsplattformen dar.


Link: Spiegel online